Der Schmerz macht mich mürbe und leer.

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Gesundheit

Der Unfall wird mich mein Leben lang begleiten.

Vor zehn Jahren hatte ich einen Unfall auf einer Baustelle. Dabei wurden meine Arme gebrochen und Ellenbogen mehrfach gebrochen. Ich lag wochenlang im Krankenhaus und hatte mehrere Operationen. Denn meine Berufsfähigkeit stand auf dem Spiel. Bis heute sind Metallplatten in meinen Armen. Bis heute habe ich fast jedem Tag Schmerzen, deren Ursache kein Arzt herausfinden kann. Die Kochen sind geheilt, die Narben ebenfalls. Es ist ein Nervenschmerz. Oft nur ganz unterschwellig. Aber ständig da. An manchen Tagen aber so stark, dass ich Schmerzmittel nehmen muss, um durch den Tag zu kommen. Es ist eine ständige Belastung, eine Erinnerung an diesen Unfall. Ich habe diese Betonplatte nicht kommen sehen. Es war wie in Zeitlupe. Manchmal habe ich davon Alpträume. Wieder und wieder stehe ich da, sehe die Platte langsam auf mich zu kommen, kann aber nicht weglaufen und schreien kann ich auch nicht. Ich schreie zwar im Traum, aber es kommt kein Geräusch aus meinem Mund. 

Diese ständige Angst, so muss ich es nennen, vor dem nächsten unerträglichen Tag hat mir viel positive Energie genommen. Dazu begleitet mich das Gefühl, die Dinge nicht unter Kontrolle zu haben. Ich bin Architekt. Ich denke mir Gebäude aus, die nach meinen Vorgaben entstehen. In meinem Geist habe ich ein Bild, dass ich umsetze und Tag für Tag, Monat für Monat, manchmal Jahr für Jahr Realität werden sehe. Diesen Unfall auf der Baustelle zu haben, hat mich im Mark getroffen und mich mit der Unsicherheit konfrontiert. Davor habe ich an nichts gezweifelt. Ich war so selbstsicher. Seitdem muss ich diese Ängste bekämpfen, die ich niemandem zeige. Auch meiner Frau nicht. Schon gar nicht meinen Angestellten. Noch weniger den Jungs auf den Baustellen. Ich bin der Boss. Ich darf keine Schwäche zulassen. Das wäre der Anfang vom Ende.

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