Migräne! Sie nimmt mir meine Kraft

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Gesundheit

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Totalausfall!

 

Ich musste den Termin verschieben. Habe gelogen und eine Familienangelegenheit als Grund angegeben. Ich kann mir das nicht leisten. Weder Ausfallzeiten noch Zeichen von Schwäche oder kränkelnder Gesundheit. Zwei Tage lag ich im Schlafzimmer. Tobias war auf Reisen. Er hatte keine Zeit anzurufen. Ich war so froh. Ich möchte nicht, dass er mitbekommt, wie schlecht es mir dann geht. Wie ich mich übergeben muss. Wie ich dann aussehe. 

Ich kann mir das nicht leisten. Wenn ich Schwäche zeige oder kränkle, dann wirke ich nicht jederzeit einsatzbereit und nicht leistungsfähig. Meine Kunden erwarten das aber. Meine jüngeren Kolleginnen warten nur darauf, eines meiner Projekte zu übernehmen. Ich kann das abschätzen. 3 Monate, bis mein Chef mit freundlichen Worten empfiehlt, mich doch mal zu schonen. Ich habe das vor 5 Jahren bei einer älteren Kollegin gesehen. Sie hatte, so sagt man, etwas ernsthaftes wie Krebs. 

 

 

Es hat so viele Jahre gedauert, da anzukommen, wo ich bin. Ich will nicht aussteigen, kein Sabbatical machen. Keine Ausbildung zum Coach machen, will keine Yogalehrerin werden. Klar denke ich, es ist die permanente Anspannung, unter der ich stehe. Früher habe ich einfach eine Migräne-Tablette genommen. War sofort wieder einsatzbereit. Doch meine Blut-Werte sind nicht mehr so gut. Darum habe ich aufgehört, etwas zu nehmen. Resultat: Oben. 

Ich muss eine Lösung finden. Werde eine Lösung finden. Es geht nicht anders. 

 

Wundermittel?

 

Eine Freundin hat mir erzählt, dass man sich Cannabis verschreiben lassen kann. Das letzte Mal habe ich als Studentin gekifft. Bei einer Reise durch Spanien.

War ganz lustig. Mein erster Gedanke war: Warum nicht, ist aber illegal. Stimmt aber nicht mehr so ganz. Ist seit 2017 zu medizinischen Zwecken zugelassen. Ich kann nur nicht im bekifften Zustand arbeiten. Damals am Strand, mit billigem Rotwein, war das egal. Wir haben Tage in dem Hostel am Strand verbracht und waren eigentlich dauerstoned. Also, ich kann mir weder Probleme leisten, noch Ausfallzeiten, noch Einschränkungen in der Konzentration. Aber ich möchte recherchieren, ob das ein Weg wäre, diese Migräne-Anfälle besser in den Griff zu bekommen. Im Netz gibt es sehr viel zu dem Thema. Zu viel, zu verwirrend, die Zeit habe ich nicht. Ich muss mal Sabine fragen, ihr Mann ist Arzt. 

 

Schmerz macht alt und hässlich

Es ist in Ordnung für mich, älter zu werden. "Senior Partner" ist so viel besser als "Junior". Aber nur, wenn ich dabei als attraktiv angesehen werde.

Das ist mein Ziel. Attraktiv zu bleiben, wenn ich älter werde. Wie soll das gehen? Der Migräne-Schmerz lässt mich grau, verkrampft, schwach aussehen. Müde. Ich kann ihn nicht übergehen wie den Schmerz in den Füssen nach 10 Stunden auf Heels. Er bohrt sich in mein Unterbewusstsein. Und wenn er nicht da ist, dann ist da die Angst vor dem Schmerz, die einen Schatten unter meinen Augen verursacht, die kein Concealer wegbekommt. 

 

 

Es wäre so einfach, in die Apotheke zu gehen, mein Migränemittel zu kaufen und alles Unangenehme zu vergessen. Jedes Quartal ein Arztbesuch, ein Rezept, mein Assistentin holt alles aus der Apotheke, fertig. Jetzt muss ich mich damit befassen und ich stelle fest: Ich habe Hemmungen. Da sitzt so ein Gedanke in meinem Kopf, dass es nicht ok ist, mir Cannabis zu besorgen. Als ob ich etwas Verbotenes tue. Damals in Spanien fand ich das cool. Jetzt muss ich zu meinem Hausarzt gehen und es kommt mir vor, als ob er mich komisch ansehen wird. Oder benehme ich mich hier wie ein kleines Kind, dass heimlich Schokolade geklaut hat? Ich bin doch sonst nicht so. Bin direkt, komme auf den Punkt, gehe Themen an. Echt merkwürdig. Egal, ich werde das recherchieren. In unserem Land lassen sie bestimmt kein Gesetz zu, in dem Menschen im Rausch durch die Öffentlichkeit laufen. 

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