Katja Sterzenbach

Ich liebe dich oder doch nur mich?

Liebe

Es gibt so viele Empfindungen von Liebe wie es Menschen gibt. Und da fängt das Dilemma schon an: bei der Definition von Liebe. Die griechische Philosophie unterscheidet zum Beispiel drei Ebenen: Eros, die triebgeleitete, körperliche Liebe, Philia, die freundschaftliche Liebe, die teilt und sich freut, und Agape, die Liebe, die allumfassende Liebe, die mitfühlend ist.

Ich liebe dich oder doch nur mich?

Aus "Be YOUnique. Lebe dich selbst, so wie du dir gefällst"

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Liebe

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Liebe ist die Kunst, den anderen einfach sein zu lassen, wie er ist. So definiert es Katja Sterzenbach in ihrem Buch Be YOUnique. Lebe dich selbst, so wie du dir gefällst (KNAUR BALANCE). Und sie erklärt, warum Erwartungen in der Liebe so fatal sind.

Es gibt so viele Empfindungen von Liebe, wie es Menschen gibt. Und da fängt das Dilemma schon an: bei der Definition von Liebe. Die griechische Philosophie unterscheidet zum Beispiel drei Ebenen: Eros, die triebgeleitete, körperliche Liebe, Philia, die freundschaftliche Liebe, die teilt und sich freut, und Agape, die Liebe, die allumfassende Liebe, die mitfühlend ist.

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als ich mit Anfang dreißig das erste Mal die Aussage der heiligen drei Worte infrage gestellt habe. Heißt „Ich liebe dich“ vielleicht nichts anderes als „Ich liebe mich“?

Heißt „Ich liebe dich“ nichts anderes als „Ich liebe mich“?
Heißt „Ich liebe dich“ nichts anderes als „Ich liebe mich“?

 

Diese Vorstellung, dass ich nur Projektionsfläche und Spiegelbild meines Gegenübers sein soll, bringt meine romantische Vorstellung von Partnerschaft und Liebe ins Wanken. Gibt es etwas Schöneres, als in den Armen eines Menschen zu liegen und sanft und leise ein „Ich liebe dich“ ins Ohr geflüstert zu bekommen? Und das soll nun nichts anderes bedeuten als „Ich liebe mich selbst“?

Das bringt mich zum Nachdenken, und ich erinnere mich an die Momente in meinem Leben, in denen ich diejenige war, die das sagte. Stimmt, es war immer dann, wenn ich mich richtig gut gefühlt habe und die Zeit anhalten wollte. Und ja, ich habe es gesagt, weil ich mich wohlgefühlt habe, geborgen und sicher aufgehoben.

Was wäre allerdings, wenn er im gleichen Moment meinen Katzenbabys das Genick gebrochen hätte? Hätte ich ihm dann noch immer gesagt, dass ich ihn liebe? Mit Sicherheit nicht! Doch sollte Liebe nicht bedingungslos sein? Liebe ich ihn also vielleicht gar nicht wirklich?

Das größte Missverständnis in der Liebe sind Erwartungen. Denn wenn wir die Liebe von außen erwarten, werden wir meist enttäuscht. Liebe erwartet nicht, Liebe besitzt nicht, Liebe ist nichts anderes als Energie. Je mehr wir davon aussenden, desto mehr bekommen wir zurück. Vorausgesetzt, wir geben wahre Liebe. Selbstlos, ohne Erwartungen, also bedingungslos, das heißt totales Akzeptieren des anderen in seiner Wesenheit, ohne zu fordern und ihn oder sie zu lieben, wenn er/sie bestimmte Dinge (nicht) tut.

Wie oft hast du dich über die Socken deines Partners aufgeregt oder dich über die berühmte Zahnpastatube geärgert? Bedingungsloses Lieben heißt auch, die Macken anzunehmen und sie zu tolerieren. Stellt sich die Frage: Sind wir Menschen überhaupt in der Lage, bedingungslos zu lieben? Das weiß ich nicht. Jedoch können wir uns im Lieben üben und an die Liebe glauben.

Woher kommt die Liebe und können wir sie selbst erschaffen und beeinflussen? Fragen über Fragen, auf die ich folgende Antworten für mich gefunden habe.

Liebe beginnt für mich bei der Liebe zu mir selbst. Liebe ist für mich ein Bewusstseinszustand. So viel Liebe, wie ich für mich selbst empfinde, so viel Liebe empfinde ich für das Außen. Wohlwollen, Güte und Mitgefühl, Wertschätzung, Respekt für sich selbst und andere (und ich könnte jetzt noch unzählig viele Werte aufzählen, die für mich unter den Wert Liebe fallen). Das ist ein Balanceakt und letztlich eine Frage der Perspektive.

Ich übe mich darin, davon auszugehen, dass mein Gegenüber immer gerade das Beste tut, was ihm möglich ist. Wenn es gut läuft, ist das ja einfach. Doch mach das mal in Streitsituationen! Ist eine spannende Übung.

Jeder handelt immer aus seiner besten Option

Das heißt jetzt nicht, dass du alles mit dir machen lassen sollst. Nein, im Gegenteil, du darfst immer wieder deine Grenzen ausloten. Achtsam sein, was ist. Fühlt es sich gut an? In dem Moment, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, halte inne, atme aus und frage dich: Was braucht es, damit es sich gut anfühlt?

Lesen Sie nächste Woche bei Radio 39, wie Sie eine positivere Haltung Ihnen selbst und Ihrer Umwelt gegenüber kultivieren. Mehr über Katja Sterzenbach lesen Sie bei uns oder auf ihrer Webseite katjasterzenbach.com:

katjasterzenbach.com

Katja Sterzenbach: Ein Leben zwischen Vollgas und Ommm

Katja Sterzenbach studierte Sport und Sozialwissenschaften sowie die indische Philosophie vom Leben an der Swami Vivekananda Universität in Indien.

Über 100 Tage hat die mehrfache Autorin mittlerweile weltweit in Klöstern meditiert. 62 Tage davon in einem Kloster in Myanmar. Sie weiß, was es heißt, zwei Monate zu schweigen, komplett von der Aussenwelt abgeschnitten zu sein und sich nur auf das Heben und Senken der Bauchdecke zu fokussieren. Sie hat das erfahren, was die meisten Menschen aus Büchern erfahren: Wie funktioniert der menschliche Geist, wie kommen wir in den Flow und in die echte Lebensfreude?

Mit dieser Expertise bricht Katja Sterzenbach gängige Klischees und inspiriert auf ihre individuelle Weise in Vorträgen, Seminaren und Coachings zu einer gesunden Balance zwischen „(Nicht-)Haben wollen und Sein“.

Redaktion: Marita Böhm

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