Hans Kreis

Die Kraft der Veränderung

Scheitern

Ein anderer Weg, als der eines Lebens ohne Zukunft, verspricht uns eine reichere Ernte. Aber sie wird uns nicht geschenkt, wir müssen schwer arbeiten, sowohl von uns aus Bewegung riskieren als uns auch bewegen lassen, bevor wir die Früchte genießen können.

Veränderung: EIn leeres Blatt und zwei Bleistifte

Mut macht Veränderung möglich

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Scheitern

Hans Kreis

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RADIO 39 fühlt sich als eine wachsende Gemeinschaft, die Werte erläutert, vermittelt und erfahrbar macht. Wir präsentieren, verbinden und intergieren auf vielfältige Weise: visuell, auditiv und verbal. Dabei nutzen wir die Erfahrungen ausgesuchter Experten, deren Wissen wir schätzen und deren Kenntnisse wir für bereichernd halten, um individuell und in der Gemeinschaft zu wachsen. In einer Kooperation mit dem eBook Verlag dotbooks.de stellen wir Ihnen ausgewählte Lebensratgeber in einer sehr persönlichen Weise durch unser RADIO 39 Team vor und bieten Ihnen in einer Leseprobe erste Eindrücke aus dem Gesamtwerk. Dieses erhalten Sie in einer speziellen RADIO-39-Edition zu einem Sonderpreis als Download.

Eine Buchvorstellung von Katrin Stockheim, RADIO 39:

Vor mir liegt ein Stück weißes Papier. Ich habe mir vorgenommen, etwas daraus zu machen. Kunst könnte es werden.

Ich starre auf das Weiß. Je länger mein Blick an der Oberfläche haftet, desto tiefer tauche ich ein in den unendlichen Raum dahinter. Ich muss meine Augen für einen kurzen Moment schließen, um zurückzukehren zu meinem Vorhaben. Ein weißes Blatt, vier Kanten, vier Ecken, eine Vorderseite, eine Rückseite. Sonst nichts? Vielleicht auch ein Blatt voller Möglichkeiten, glatt, leer, unbeschrieben. Ich nehme eine Schere und schnipple wild darauf los. Keine Kunst. Ein weiteres Blatt muss her. Lange liegt es vor mir. Weiß, leer, karg. Nichts was mich inspiriert. Stifte? Nein, mir will nichts einfallen. Ich zerknülle es, drücke es fest auf den Tisch, werfe es an die Wand. Keine Kunst.

Ich bin erregt. Enttäuscht? Eher wütend über das Nichtgelingen. Es ist doch nur ein Blatt Papier. Meine Gedanken kommen und gehen. Verselbständigen sich, berichten von der Welt hinter der weißen Oberfläche. Langsam beginne ich, das Blatt zu falten, fahre die Kanten nach, mal sanft, mal mit Nachdruck. Meine Finger wissen, was zu tun ist.

Jetzt fühlt es sich an, wie „Tiere in Wolken entdecken“. Langsam finde ich Erkenntnisse in meinem Tun, in den Werken, in dem was übrigbleibt. Schon lange spüre ich keine Wut mehr: keine Fetzen, mehr Harmonie, mehr ich selbst, mehr Nähe, mehr Sanftmut. Visionen treiben mich an, inspirieren mich, morgen früher zu beginnen.

Es ist eine Art Meditation, in die ich mich täglich begebe. Eine Möglichkeit, Emotionen zum Vorschein zu bringen, sie auszuleben auf der Suche nach den Bildern, den Botschaften in mir, die mich wachsen lassen, Veränderung ermöglichen. Zehn Minuten, die nur mir gehören.

Hans Kreis stieg nach einer steilen Karriere in der Kommunikationsbranche aus, um sein psychologisches und spirituelles Wissen zu vertiefen. Aufbauend auf dieser persönlichen Erfahrung und einer kreativen Begabung arbeitet er heute als Visions-Coach. In seinem Lebensratgeber „Die Kraft der Veränderung“ zeigt er in einfühlsamen Worten und mit großer Lebenserfahrung und spirituellem Wissen, wie wir den Mut finden, Veränderung zu wagen und Krisen positiv zu begreifen.

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Der RADIO 38 ebook-Tipp

Die Kraft der Veränderung - Lebenskrisen als Chance erkennen
Exklusiv: Radio-39-Edition
von Hans Kreis

Seiten: ca. 213
Erscheinungsmonat: Februar 2016
eBook-Preis: 4,99 EUR
ISBN: eBook 978-3-95824-600-3

Als Download erhältlich unter www.dotbooks.de oder überall, wo es gute eBooks gibt.

Mut macht Veränderungen möglich

Viele Menschen, die mir gegenübersitzen, haben diese Erkenntnis gehabt. »So kann es nicht mehr weitergehen!« Ich entgegne darauf normalerweise: »Das ist klar. Aber was geht nicht mehr weiter, wenn es so nicht mehr weitergeht? Und wie geht es dann weiter? Und wohin geht es?« Die Antwort ist meist Schweigen. Das Leben funktioniert nicht wie eine mathematische Gleichung. Wenn dort der Lösungsweg einmal gefunden ist, lässt er sich auf alle Gleichungen derselben Art anwenden. Die Aufgabe der Mathematik ist es, immer eine allgemein gültige Lösung zu finden, die Aufgabe im Leben dagegen, immer einen Lösungsweg zu finden, der unserer Situation angemessen ist. Dies ist auch eine Frage von Kreativität. Und für die wiederum ist eine Portion Mut unerlässlich. Vor meiner Zeit als Werbefachmann und Coach habe ich als Künstler gearbeitet. Unmengen von weißem, schönem Papier haben vor mir gelegen, die ich füllen wollte. Dafür aber musste ich den Mut aufbringen, das makellose Weiß der Zeichenblätter zu vernichten. Ich habe die Blätter quasi zerstört, um etwas Neues zu erschaffen. Bei den vielen Vorträgen und Artikeln, die ich geschrieben habe, habe ich manchen Entwurf wieder gestrichen. Im Nachhinein hat es sich als die effektivere Methode erwiesen, als wenn ich versucht hätte, das Geschriebene mühsam zu verbessern. Diesen Weg empfehle ich Ihnen auch bei der Suche nach Wegen aus Ihrer Krise. Seien Sie guten Mutes und trauen Sie sich, alte Strukturen zu zerstören. Sie werden staunen, wenn Sie die neuen Möglichkeiten sehen, die in Ihnen verborgen liegen. Im Grunde genommen ist es gar nicht so, dass uns immer wieder das Gleiche passiert, sondern wir reagieren in ähnlichen Situationen immer mit der gleichen Strategie. Diese »Überlebenspläne« haben wir von unseren Vorfahren aus der Menschheitsgeschichte übernommen. Für sie ging es noch ums nackte Überleben, weshalb viele von Ihnen sich auf die gleiche Strategie, nämlich das Jagen und Sammeln, verlegt haben. Die Entdeckung zu kooperieren und aus Erfahrungen lernen zu können, führte zu einer gemeinsamen Überlebensstrategie: zur Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht. Diese Form der Überlebensgemeinschaft entwickelte sich immer weiter. Heute ist unser äußeres Überleben durch ein soziales Netz und die moderne Medizin gesichert. Wir können uns sozusagen um unser inneres Leben kümmern. Es geht nicht mehr darum, nur satt zu werden. Es geht je nach Persönlichkeit um ein gutes, spirituelles, ausgefülltes, schlicht: ein zufriedenes Leben. Im Grunde machen auch wir nichts anderes als unsere Vorfahren vor einigen tausend Jahren: Wir überlegen, mit welcher Strategie wir am besten zum Ziel gelangen, und setzen sie dann ein. Nur bedenken wir oft nicht, dass diese einmal gelernte Strategie nicht auf immer die richtige sein kann. Denn wir ziehen die geänderten Rahmenbedingungen nicht ins Kalkül. Dann aber bewirkt diese einst so intelligente Strategie ihr Gegenteil.

Die Opferrolle ablegen

Eine sehr traurige Version eines Krisenkarussells hat eine Klientin von mir erlebt. Sie war mehr als zwanzig Jahre glücklich verheiratet, als sich ihr Mann eine ganz junge Geliebte nahm. Nicht nur, dass sie das tolerierte, sie ließ sogar zu, dass ihr Mann mit seiner Geliebten im ehelichen Haus wohnte. Fast ein Jahr ertrug sie diese Tortur, die noch gesteigert wurde, als ihr Mann Vater eines Kindes wurde, dessen Mutter eben seine Geliebte war. Erst dann brach die Frau unter der Last ihres Schicksals zusammen. Doch als ob sie unbeirrt ihren Leidensweg weitergehen müsste, wurde sie in der Klinik, in deren Obhut sie sich begeben hatte, von anderen Patientinnen geschlagen. Diese Übergriffe versetzten auch die Ärzte in Erstaunen. Die Frau schien selbst sonst ruhige und besonnene Frauen durch etwas zu provozieren, sie geradezu herauszufordern. Es war, als ob in ihrem Habitus und in ihrer Ausstrahlung ein Hinweis darin zu finden gewesen wäre, dass die Leidensbereitschaft dieser Frau übersteigert war. Alle Schläge, alle Qualen der Seele ertrug sie – weil sie der Überzeugung war, sie lang ertragen zu müssen. Das war ihr sich wiederholendes Motiv im Leben. Sie schien etwas auszustrahlen, das andere Menschen zur Grenzüberschreitung förmlich aufforderte. Erst in der Klinik erkannte sie diesen Zusammenhang. Bis dahin hatte sie sich immer als Opfer gefühlt, das zur Passivität verdammt war. Zum ersten Mal sollte sie ihr Krisenkarussell zum Stoppen bringen. Die Frage: »Was mache ich nur, dass man mir das antut?« führte sie aus der geduckten Haltung eines Opfers heraus. »Was trage ich selbst dazu bei? Wieso treffe ich immer wieder mit Menschen zusammen, die mich schlecht behandeln?« Schon in ihrer Kindheit hatte es jemanden gegeben, der ständig ihre Grenzen überschritten hatte. Ihre jüngere Schwester hatte Anspruch auf die Spielsachen erhoben, ihr alles weggenommen, später ihre Kleider angezogen. Von Männern hatte sie schon mehrfach schlechte Behandlung erfahren. Die Verantwortung dafür hatte sie immer bei denen gesucht, die ihr das Leid zufügten. Die Erkenntnis, zu einem Teil selbst dafür verantwortlich zu sein, machte sie in diesem Punkt wachsam. Hier lag ihre Chance, eine der Ursachen der sich ständig wiederholenden Krise zu entschlüsseln. Die Konfrontation mit der Tatsache, dass die anderen nicht nur Täter waren und sie nicht nur Opfer war, hat ihr nach einer langen Zeit der Therapie geholfen. Den Anfang zu diesem Erfolg aber hatte die folgende heilsame Übung gegeben.

Heilsame Übung


Wie soll es jetzt weitergehen mit Ihrem Problem? Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, ist es an der Zeit, die Ratlosigkeit hinter sich zu lassen und einen geeigneten Weg zu suchen, der aus der Krise führt. Wählen Sie sich die Musik aus, die zu Ihrer Stimmung passt. Stellen Sie allerdings dazu die Lautstärke ein, die Ihnen zurzeit überhaupt nicht gefällt. Hören Sie die ersten Takte der Musik bewusst an. Stellen Sie sich jetzt in Ihrem Zimmer an dem Punkt auf, von dem aus die gegenüberliegende Wand möglichst weit entfernt ist. Versuchen Sie, die Wand zu vergessen. Denken Sie nicht an sie, sondern nur an den Weg, den Sie nehmen möchten, um dorthin zu kommen. Gehen Sie auf die Wand zu. Machen Sie den ersten Schritt in diesem Bewusstsein, nur eine Strecke quer durchs Zimmer zurückzulegen. Hindernissen weichen Sie einfach aus. Bleiben Sie immer in Bewegung, niemals jedoch stehen. Ist das schwierig? Wie weichen Sie dem aus, was Ihnen im Weg steht? Steigen Sie darüber, gehen Sie außen vorbei? Irgendwann geht es nicht mehr weiter, dann ist die Wand, ein Schrank oder ein Regal vor Ihnen. Konzentrieren Sie sich darauf. Vielleicht kommen Sie noch ein paar Zentimeter weiter. Probieren Sie es aus, bis es wirklich nicht mehr weitergeht. Wie fühlen Sie sich jetzt, da Sie bei diesem endgültigen Hindernis angelangt sind? Was hätten Sie gemacht, wenn Sie früher erkannt hätten, dass es nicht mehr weitergeht? Wenn Sie über die scheinbare Ausweglosigkeit verzweifelt sind, halten Sie die Verzweiflung aus. Fällt Ihnen auf, dass in dem Wort Verzweiflung die Zahl »zwei« steckt? Sie haben also mindestens zwei Auswege aus dieser Krise – und einen Irrweg. Der Irrweg ist der »Weiter-so-Weg«. Welche Wege gibt es noch, wenn es auch keinen Weg mehr zurückgibt, nur noch die Rückschau, die Erinnerung? Wenn Sie sich Ihre Möglichkeiten ins Bewusstsein gerufen haben, dann wählen Sie den rechten Weg aus. Der rechte Weg kann aber auch der linke sein, der ungewohnte. Mit welchem Bein beginnen Sie Ihren neuen Weg aus dieser »Weiter-so-Krise«? Rechts ist das Spielbein. Damit probieren wir aus. Links ist das Standbein. Ihm dürfen wir den festen Stand zutrauen. Wie unterscheidet sich der erste Schritt jetzt vom ersten Schritt zu Beginn dieser Übung? Wie auch immer Sie sich entschieden haben, probieren Sie alle Wege aus, bevor Sie sich endgültig entscheiden, wie, wohin und warum Sie weitergehen wollen. Mit dieser Heilsamen Übung stellt Ihr Unterbewusstsein einen Bezug zu Ihrem aktuellen Problem her, ohne dass Sie dies explizit benennen müssen. Sie haben eben gerade die Chance genutzt, Wege aus Ihrer Krise zu finden. Auch diese Wege müssen nicht benannt werden, aber es gibt sie, und Ihr innerer Führer kennt sie. Selbst wenn Sie jetzt noch keine Wegbeschreibung geben können, haben Sie tief in sich eine Ahnung geweckt, eine wortlose Andeutung erhalten, die im Laufe der nächsten Zeit klarer werden wird.

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