Kerstin Pollmann

Was war noch mal in Florida?

Barmherzigkeit

Nach der Katastrophe sind weltweit alle betroffen. Wenige Wochen später sind die Opfer alleine. Vergessen von der Welt. 

Was war noch mal in Florida?

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Barmherzigkeit

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Wie ist das so vor Weihnachten...? Weihnachten ist die Zeit in der wir gerne schenken, gerne anderen Menschen Gutes tun. Der christliche Gedanke der Nächstenliebe taucht öfter in uns auf als über das ganze Jahr verteilt... Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass wir gegen Jahresende das Vergangene Revue passieren lassen und uns fragen, was haben wir dieses Jahr eigentlich schon Gutes getan? Eine kleine Spende an eine gemeinnützige Organisation vor Weihnachten erleichtert da das Gewissen gleich ungemein.
So scheint es auch bei den vielen Katastrophen zu sein, die in immer größerer Häufigkeit in unserer Welt passieren. Wenn sie geschehen sind sie überall in den Medien präsent, die Menschen werden zu Spenden und zur Mithilfe aufgerufen. Viele viele Menschen geben Geld ... und danach ist es wieder still ... still um die Katastrophe ... was geschieht eigentlich „danach“... Wochen später, wenn die Medienpräsenz versiegt?
Ich war gerade für einige Zeit in Florida und konnte hautnah die Folgen des Hurricans Irma erleben. Die Straßen sind gesäumt von Unrat. Viel Unrat! Nicht nur die zu erwartenden Palmblätter die der Sturm mit sich gerissen hat, liegen am Straßenrand, sondern alles ALLES was man sich nur im Entferntesten vorstellen kann. Kühlschränke, Waschmaschinen, Sofas, Boote liegen da plötzlich mitten auf dem Land. Ganze Wohnwagen findet man zerstört am Straßenrand. Vielleicht war es das Heim einer ganzen Familie... da es einige Menschen in Florida gibt, die mit ihrem Wohnwagen in Trailer Parks wohnen und gar kein festes Haus besitzen. Wir haben in unserem Urlaub dort viel mit den Menschen gesprochen und gefragt wie sie den Hurricane erlebt haben. Eine Familie ist schnell nach Tampa geflüchtet, weil sie Angst hatten, dass einer ihrer Söhne, der oft medizinische Hilfe braucht, im Hurricane Gebiet nicht schnell genug unterstützt werden könnte. Als diese Familie zurückkam in die Everglades war ihr Haus zerstört. Es war ein altes Haus und dementsprechend noch nicht auf Stelzen gebaut... Der Schlamm hat sämtliche Möbel zerfressen und war inzwischen so hart, dass man ihn kaum aus dem Haus bekommt. Die Familie hat Angst, dass ihnen ihr Heim komplett um die Ohren fliegt, sobald sie den Strom anschalten. Deshalb haben sie ihr Haus bislang gelassen wie es ist und leben zunächst in einer temporären Unterkunft.
Man kann nicht sagen, warum manche Häuser anscheinend komplett von „Irma“ verschont wurden und andere nicht. Warum es manche Familien mehr und andere weniger getroffen hat. Eine Frau, die auf den Keys wohnt hat uns erzählt: Vor dem Hurricane hatte ihre Familie 4 kleine Boote mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestritten... nach dem Hurricane sind die Boote.... irgendwo... sie wurden noch nicht wieder gefunden....
Wie viel Hilfe von außen bei diesen betroffenen Familien wirklich ankommt, das haben wir nicht herausgefunden. Aber es wurde ganz klar, die Menschen haben uns erzählt, wie gut der Zusammenhalt untereinander funktioniert hat. Wie sehr die Menschen sich gegenseitig geholfen haben und wie sie sich untereinander wieder näher kommen. Auch wenn eine Katastrophe der Auslöser war, so haben sich die Menschen dort doch bereits im weihnachtlichen Gedanken der Nächstenliebe und –hilfe wiedergefunden.
In diesem Sinne wünsche ich eine Vorweihnachtszeit, die auch bei Ihnen den weihnachtlichen Gedanken weiterträgt.

 

Redaktion: Bea Petersen

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